WOCHENAUSBLICK: Dax zwischen KI-Sorgen und Iran-Hoffnung auf Richtungssuche
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach einem Rekordhoch und anschließender heftiger Korrektur ist der Dax
"Der Sieg der Demokraten in beiden Kammern des Kongresses bedeutet eine schwere Niederlage für den US-Präsidenten", fasste Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die zurückliegenden Zwischenwahlen in den USA zusammen. Es sei schwer vorherzusehen, wie Donald Trump die übrigen beiden Amtsjahre weiterregiere - vor allem mit Blick auf den Iran-Krieg. Jüngst kündigte Trump eine baldige Entscheidung zum seit Februar schwelenden Konflikt an. Am Ölmarkt wuchs zuletzt die Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende.
Die hohen Ölpreise treiben die Verbraucherpreise kräftig an, frische Oktober-Inflationsdaten aus den USA stehen am Dienstag auf der Agenda. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, erwartet eine Inflation von vier Prozent. "Damit wäre die Inflationsrate dies- wie jenseits des Atlantiks doppelt so hoch wie von EZB und Fed angepeilt", schrieb Greil. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die US-Notenbank dürften daher im Dezember noch einmal ihre Leitzinsen anheben. Der starke US-Arbeitsmarktbericht deutete vor dem Wochenende durchaus konjunkturellen Spielraum für Zinserhöhungen an.
Höhere Zinsen können auch Technologie-Aktien belasten, die nach den US-Zwischenwahlen einen heftigen Kursrutsch erlebten. "Das starke Wahlergebnis der Demokraten erhöht das Risiko, dass der KI-Ausbau in den USA langsamer vonstattengehen wird", stellte Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl fest. Die Anleger müssten nun abwägen, ob und wie stark die neuen politischen Strömungen in Washington die Dynamik im KI-Sektor beeinflussten und wo ein stabiles Bewertungsniveau der Aktien im Sektor gefunden werden könne. "Ein Ende der KI-Korrektur ist dabei noch nicht abzusehen", ergänzte Stanzl.
Christian Gattiker von der Schweizer Vermögensverwaltungsbank Julius Bär schätzt die Befürchtungen, dass die USA die KI-Entwicklung erheblich einschränken könnten, zwar nach wie vor als übertrieben ein. Allerdings könnten die Märkte aus seiner Sicht weiter fallen. Historisch betrachtet seien solche Volatilitätsspitzen aber eher in der Nähe ausgeprägter Tiefststände aufgetreten als zu Beginn lang anhaltender Bärenmärkte. "Gegen einen länger anhaltenden, fundamentalen Bärenmarkt spricht aus unserer Sicht die starke jüngste Berichtssaison", äußerten sich auch die Experten des Börsen- und Analyseportals Index Radar beruhigend.
Hierzulande geht die Zahlenflut der Unternehmen in der neuen Woche weiter. Aus dem Dax legen von Montag bis Donnerstag unter anderem die Rückversicherer Hannover Rück
Dass der Dax ansonsten nicht besonders technologielastig zusammengesetzt ist, macht ihn in der aktuellen Marktphase für viele Anleger zu einer interessanten Alternative, konstatierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Der deutsche Leitindex komme vergleichsweise gut durch die aktuelle Krise. Am Donnerstag hatte er mit knapp 26.693 Punkten eine Bestmarke aufgestellt, bevor er sich dann von dem US-Kursrutsch nach unten ziehen ließ. An den US-Börsen sind Rekorde derzeit nicht absehbar.
Auch Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst vom Broker CMC Markets, sieht für die europäischen Aktienmärkte weiterhin die Chance, sich zumindest teilweise von der Schwäche der US-Technologiebörsen abzukoppeln. Die erhoffte Jahresendrally müsse also nicht ausfallen, dürfte allerdings deutlich holpriger verlaufen als noch vor wenigen Tagen erwartet./niw/tih/he
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---