WOCHENAUSBLICK 2: Dax unter Druck nach gescheiterten Iran/US-Gesprächen
(aktualisierte Fassung nach gescheiterten Gesprächen in Islamabad)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran dürfte der Dax
US-Präsident Donald Trump kündigte nach den Gesprächen eine Seeblockade der Straße von Hormus an. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, teilte er auf der Plattform Truth Social mit. Die Streitkräfte seien auch angewiesen worden, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an den Iran gezahlt hätten. Zudem kündigte er an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen. "Solange die Straße von Hormus im Zentrum militärischer Risiken steht, dürften hohe Ölpreisnotierungen ein anhaltender Belastungsfaktor für die globalen Finanzmärkte bleiben", hieß es dazu von Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und dem Oman ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölhandel. Nach Beginn des Iran-Kriegs hatte Teheran die Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch blockiert, was die Preise für Energie in die Höhe trieb. Dies hatte zu Sorgen um die Entwicklung der Weltwirtschaft geführt. Zudem reduzierten Anleger ihre Hoffnungen auf eine lockere Geldpolitik.
US-Präsident Trump hatte dem Iran ein Ultimatum gesetzt, den freien Schiffsverkehr wieder zu ermöglichen, und andernfalls mit Angriffen auf Kraftwerke und weitere Infrastruktur gedroht. Kurz vor Ablauf seiner Frist verständigten sich Washington und Teheran in der Nacht zum vergangenen Mittwoch auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Darauf folgten am Samstag direkte Verhandlungen beider Seiten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, um nach einer dauerhaften Friedenslösung zu suchen.
Diese endeten am frühen Sonntagmorgen allerdings ohne greifbares Ergebnis. Ob und wann es zu weiteren Verhandlungen kommt, war vorerst unklar. Der Iran gab den USA die Schuld für das Scheitern der Gespräche, schloss weitere Verhandlungen mit Washington aber nicht aus. US-Vizepräsident JD Vance sagte, der Iran habe die Bedingungen der USA nicht akzeptiert - man lasse einen Vorschlag zurück, der ein endgültiges Angebot darstelle.
Nach Ende der Gespräche rief der pakistanische Außenminister Ishaq Dar die beiden Parteien auf, an ihrer Verpflichtung zu einer Waffenruhe festzuhalten. Pakistan werde seine Vermittlerrolle auch weiterhin wahrnehmen.
Emden hatte schon vor dem Beginn der Gespräch gewarnt, dass viele Anleger bei einem Scheitern der Verhandlungen auf dem falschen Fuß erwischt werden dürften. "Die Märkte sind derzeit nicht auf eine erneute Eskalation eingestellt", mahnte der Experte.
Vermögensverwalter Ortay Gelen von Axia Asset Management rät zum Blick auf die Entwicklung der Ölpreise. Dieser sei für den Dax keine Nebensache, hatte er ebenfalls vor Gesprächsbeginn gesagt. "Ein Rohölpreis unter 90 US-Dollar wäre ein klares Signal, dass die Inflationsängste nachlassen - das würde Spielraum für Zinssenkungen eröffnen und Aktien strukturell stützen." Klettere der Preis hingegen wieder über 100 Dollar, weil die Lage eskaliere, werde es eng.
In den USA hat die Teuerung bereits im März angesichts des Iran-Krieges deutlich zugelegt. Die am Dienstag anstehenden Produzentenpreise dürften diesen Trend bestätigen, vermutete Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Ein weiterer Fokus liege aus Anlegersicht auf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China, wo am Donnerstag Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal veröffentlicht werden, zusammen mit den März-Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandel.
Ferner richtet sich die Aufmerksamkeit in der neuen Woche auf den Unternehmenssektor in den USA, wo die Berichtssaison anläuft. "Angesichts der noch immer hohen Bewertungen sind positive Überraschungen Pflicht", schrieb Analyst Samuel Will von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).
Dabei stehen vor allem die Zahlenwerke von Banken und Finanzdienstleistern wie Goldman Sachs
Hierzulande blicken die Anleger zudem auf Analystenveranstaltungen der Autobauer Mercedes-Benz
--- Von Lutz Alexander und Stefan Heider, dpa-AFX ---