LS - DAXLS
11.09. 16:07 25.542,00 +0,56%
11.09. 15:47

WOCHENAUSBLICK: Für den schwächelnden Dax wird der US-Zinsentscheid zur Wegmarke


FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Leitindex Dax dürfte sich auch in der neuen Woche schwer tun. Denn nach dem Sprung des Ölpreises über die viel beachtete Marke von 100 US-Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Referenzsorte Brent aus der Nordsee sind die Inflationssorgen an die Finanzmärkte zurückgekehrt.

Die durch den Iran-Krieg bedingte Verteuerung des wichtigen Energieträgers Rohöl setzt die Notenbanken unter Zugzwang, ihre Leitzinsen anzuheben. Zuletzt hat bereits die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik gestrafft; am Mittwoch nach Börsenschluss in Europa nun könnte die US-Notenbank folgen.

Auslöser des Ölpreissprungs waren die jüngsten militärischen Eskalationen im Nahen Osten. Daraufhin waren bereits die Renditen an den Anleihenmärkten angesprungen, sodass den Fachleuten der DZ Bank zufolge jetzt eine alte Frage neue Dringlichkeit bekommt: Was bieten Aktien im Vergleich zu Anleihen eigentlich noch?

Höhere Zinsen sind tendenziell eine Belastung für die Aktienmärkte. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen und können so die Gewinne schmälern. Zudem verteuern sie Investitionen und machen Anleihen als alternatives Investment attraktiver.

Beim Blick auf die bewährte Kennzahl der Gewinnrendite von Aktien ergibt sich für die Fachleute der DZ Bank eine klare Botschaft: Die europäischen Börsen können steigende Renditen im internationalen Vergleich besser abfedern, da sie zum Beispiel eher niedrig bewertet sind und die Erträge der Unternehmen bereits stark wachsen. Die US-Märkte dagegen seien stärker darauf angewiesen, dass das erwartete Gewinnwachstum tatsächlich eintritt.

Für Timo Emden, Chefmarktanalyst vom Handelshaus CapTrader, sollte neben den Zinssorgen der geopolitische Rahmen weiterhin eines der zentralen Themen für die Anleger darstellen. Auch wenn sich viele Investoren an das Krisenrauschen im Nahen Osten gewöhnt hätten, dürfte der Konflikt weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Märkten schweben.

Mit Sorge wurde am Markt bereits aufgenommen, dass die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen jemenitischen Regierungsquellen zufolge eine strategisch gelegene Insel in der Meerenge Bab al-Mandab erobert haben. Die stärkere Kontrolle des Zugangs zu Bab al-Mandab durch die Huthi dürfte als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr gewertet werden. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean und ist damit eine bedeutende Schnittstelle auf dem Seeweg zwischen Europa und Asien.

In dieser unsicheren Gemengelage nun muss die Fed zur Wochenmitte ihre geldpolitischen Entscheidungen treffen. Eine Erhöhung des Leitzinses wird am Markt als relativ sicher angesehen, nachdem in den USA im August die Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie im Monatsvergleich etwas stärker gestiegen war als erwartet.

Die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wiesen aber darauf hin, dass sich der neue Fed-Chef Kevin Warsh von der etablierten Praxis verabschiedet habe, den Finanzmärkten bereits vorab Hinweise auf den geldpolitischen Kurs zu geben. Insofern sei ein Zinsschritt nach oben noch keine ausgemachte Sache.

Abseits des Zinsentscheids der Fed dürften die Anleger in der neuen Woche auf weitere Konjunkturnachrichten schauen. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen zählten die Einzelhandelsdaten am Mittwoch, diverse Immobilienmarktzahlen am Donnerstag sowie die Industrieproduktion am Freitag - alle für den August, schrieb Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Und am Dienstag richte sich der Fokus auf Chinas Industrie- und Einzelhandelszahlen für den August.

Aus Unternehmenssicht könnte der Donnerstag Impulse liefern. Dann stehen die Kapitalmarkt- beziehungsweise Investorentage des Logistikkonzerns DHL , des IT-Dienstleisters Bechtle , des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie und von Kontron auf der Agenda. Der Technologiekonzern wird über seine Unternehmensstrategie bis zum Jahr 2030 berichten./la/jsl/nas

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---