ROUNDUP: Conti zehrt noch von starkem Reifengeschäft - Nahost belastet nun
HANNOVER (dpa-AFX) - Der Reifenhersteller Continental
Das Papier verlor nach Anfangsgewinnen zuletzt 1,7 Prozent auf 71,10 Euro. Damit schrumpft der Kursgewinn im laufenden Jahr auf 4,5 Prozent. Analyst Michael Aspinall von der US-Investmentbank Jefferies sprach von einem starken zweiten Quartal, insbesondere im Reifengeschäft. Das werfe aber die Frage auf, warum es in der Sparte nur bei der Jahresprognose bleibe.
Finanzchef Welzbacher verwies im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf den nun einsetzenden Gegenwind bei den Rohmaterialkosten. Rohöl ist ein wichtiger Produktionsfaktor für Reifen- und Kunststoffhersteller. Im ersten Halbjahr habe der Konzern "sehr viel Rückenwind durch die Rohmaterialkosten" im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich gehabt, sagte der Manager. "Das kehrt sich nun komplett um."
Er rechne demzufolge für das zweite Halbjahr mit einer Belastung im Vorjahresvergleich im ebenfalls dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, sagte er. Zudem kämen die Automärkte dieses Jahr nicht wie erhofft zurück. Die Aussichten für die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen haben sich weiter eingetrübt.
Die operative Marge im Reifengeschäft des zweiten Quartals mit von Analysten unerwartet starken 15,3 Prozent sei denn auch die höchste im Jahresverlauf gewesen, sagte Welzbacher. "Das werden wir im dritten Quartal nicht mehr schaffen."
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Konzern lag mit 570 Millionen Euro um ein gutes Drittel über dem Wert ein Jahr zuvor, wie die Hannoveraner am Dienstag mitteilten. Neben großen Reifen und günstigeren Rohmaterialien halfen auch geringere Zoll- und Wechselkurseffekte.
Der Umsatz im Konzern sank vorwiegend wegen des erfolgten Verkaufs eines Unternehmensteils der Kunststofftechniksparte von 4,9 auf 4,4 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis wäre er nur um 0,3 Prozent geschrumpft.
Der Nettogewinn sank um fast die Hälfte auf 274 Millionen Euro, weil unter anderem das im vergangenen Herbst abgespaltene Autozuliefergeschäft (Aumovio
Den Ausblick auf das Geschäftsjahr passte Conti nach der vereinbarten milliardenschweren Veräußerung der restlichen Kunststofftechniksparte Contitech an. Insgesamt soll der Umsatz 2026 zwischen 13,2 und 14,2 Milliarden Euro liegen, die bereinigte operative Marge bei 12,0 bis 13,5 Prozent. Im Reifenbereich allein betrachtet blieben die Aussichten unverändert.
Die Reifen werden nach dem vereinbarten Verkauf der Kunststofftechnik der einzige verbleibende Konzernteil nach dem Großumbau sein. Welzbacher sieht bei den großen Reifen ab 18 Zoll Durchmesser auch weiter gute Chancen. Sie sind schwerer und teurer und kommen insbesondere bei batteriebedingt schwereren Elektroautos zum Einsatz. Hier wachse der Markt im Jahr zwischen 7 und 8 Prozent, während andere Segmente eher stagnierten, sagte der Finanzchef.
So entwickelten sich auch die Geschäfte in China erfreulich - trotz der zuletzt einbrechenden Verkäufe von Neuwagen. Nach dem starken Anstieg der vergangenen Jahre seien nun sehr viele Fahrzeuge auf den Straßen, vielfach eben Elektroautos mit großen Reifen. Da profitiert Conti vom Reifenersatzgeschäft. "Wir investieren weiter in den lukrativen Markt China", sagte Welzbacher. Er verwies auf den Ausbau der Produktion im Werk in Hefei, wo Conti die Produktion von 15 auf 18 Millionen Reifen jährlich erhöht./men/lew/jha/