26.07. 16:49

ROUNDUP 2/Ukraine-Krieg: Ballistische Raketen und steigende Opferzahlen


(aktualisierte Fassung)

MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Der Ukraine-Krieg erfasst immer mehr Zivilisten. Russland setzt zunehmend auf massive Angriffe mit ballistischen Raketen und eine Überlastung der ukrainischen Flugabwehr. Kiew weitet seine Angriffe vor allem mit Drohnen im russischen Hinterland aus. Während es an der Front kaum Bewegung gibt, steigen die zivilen Opferzahlen - auch am Wochenende.

Allein in Saporischschja kamen nach Behördenangaben mindestens drei Menschen durch russische Angriffe ums Leben. Weitere fast 20 wurden demnach verletzt. In der Großstadt Charkiw im Osten der Ukraine wurde nach Behördenangaben am Sonntag eine 40-Jährige getötet. Neun weitere Personen wurden demnach verletzt, darunter ein zehn Jahre alter Junge.

Hauptziel bei den Angriffen in der Nacht zum Sonntag war laut Präsident Wolodymyr Selenskyj einmal mehr die Hauptstadt Kiew, wo nach Behördenangaben drei Menschen verletzt wurden. Selenskyj hatte die Menschen in der Ukraine bereits am Freitag vor einem erneuten massiven Raketenangriff Moskaus gewarnt.

Luftwaffe: Moskau setzte sieben ballistische Raketen ein

Der ukrainischen Luftwaffe zufolge attackierte Russland die Ukraine in der Nacht mit einem Marschflugkörper und sieben ballistischen Raketen sowie 136 Drohnen. Abgewehrt wurden demnach der Marschflugkörper, fünf ballistische Raketen und 104 Drohnen. Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren als Marschflugkörper, die von den Angreifern besser manövriert werden können und wegen ihrer geringen Flughöhe nicht so leicht vom Radar der Luftabwehr zu erfassen sind.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf Kiew. Man habe Rüstungsfabriken attackiert, teilte es mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Auch Russland beklagt zivile Opfer

Im von Russland besetzten Teil des Gebiets Saporischschja wurden nach Angaben der von Moskau eingesetzten Besatzungsbehörden in der Nacht zu Samstag mindestens zwölf Menschen in einer touristischen Einrichtung getötet und weitere 19 verletzt. Auch diese Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar.

Mehrfach hat Kiew in den vergangenen Tagen auch Standorte des größten russischen Online-Versandhändlers Wildberries angegriffen, den es in Moskaus Angriffskrieg verstrickt sieht. Am Samstag nahm es ein Logistikzentrum in Jekaterinburg am Ural ins Visier. Das Unternehmen evakuierte Mitarbeiter, Verletzte gab es demnach diesmal nicht. Meldungen über Verletzte gab es aus den Gebieten Rostow und Belgorod. In Tjumen in Westsibirien nahm die Ukraine eine Erdölraffinerie ins Visier.

Mit Gegenangriffen auf die russische Energieindustrie will Kiew den Treibstoffnachschub für russische Truppen stören und Moskaus Kriegskasse schmälern.

Die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa verurteilte Kiews Gegenangriffe scharf. Sowohl der ukrainische Präsident Selenskyj als auch "seine westlichen Drahtzieher" sollten wissen, dass sie "für jedes Verbrechen schwer bezahlen" würden, sagte sie der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit einem zerstörerischen Angriffskrieg. Immer wieder werden dabei Zivilisten getötet - auch in zivilen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern.

Seekrieg geht weiter

Die iranische Regierung protestierte gegen einen auch von Selenskyj genannten ukrainischen Angriff auf ein Frachtschiff im Kaspischen Meer mit einem Toten. Es handele sich um einen Akt der Aggression, der die Flammen des Krieges weiter anfachen und verbreiten könnte, und um einen Verstoß gegen das Völkerrecht, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums in Teheran.

Selenskyj hatte Angriffe auf Schiffe im Kaspischen Meer in sozialen Medien verkündet. Darunter seien Schiffe gewesen, die militärische Güter geladen und Bezug zum Iran gehabt hätten. Später wies Selenskyj auf verstärkte Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran hin. Russland versorge das iranische Militär "intensiv" mit Satellitenaufnahmen von der Golfregion.

Schwere Gefechte zwischen den Kriegsparteien Moskau und Kiew gibt es auch im Schwarzen und im Asowschen Meer. Auch am Wochenende gaben beide Seiten an, dort Ziele attackiert zu haben.

Kein Frieden in Sicht

Selenskyj rechnet damit, dass Nordkorea Russland im Krieg mit weiteren Truppen und schweren Waffen unterstützen werde. Unter anderem bereite sich Russland vor, weitere 30.000 nordkoreanische Soldaten in der Region Woronesch unterzubringen, sagte er am Samstag und berief sich auf Geheimdienstinformationen.

Direkte Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew, bei denen zuletzt die USA vermittelt hatten, liegen derzeit auf Eis. Ein baldiger Frieden ist nicht in Sicht. Mit Blick auf ein bevorstehendes Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Donald Trump zeigte sich der Kreml wenig optimistisch über eine mögliche Friedenslösung. "Wir haben etwas von neuen Friedensformeln gehört", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Man werde diese Vorschläge mit der Zeit erfahren. "Alles Weitere hängt davon ab, ob diese unseren Interessen entsprechen", wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert.

## Berichtigung
- der Story ("Ukraine-Krieg: Ballistische Raketen und steigende

Opferzahlen"). In einer früheren Version des Artikels hieß es

Jekanterinburg, der richtige Name der Stadt ist Jekaterinburg (7.

Absatz)./ksr/DP/he