HQ Trust: Globales Wachstum geht an Europa und vor allem an Deutschland vorbei
FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz geopolitischer Herausforderungen und von den USA forcierten handelspolitischen Konflikten wächst der Welthandel weiter. An Europa jedoch gehe das Wachstum vorbei, sagte Michael Heise, Chefökonom vom Vermögensverwalter HQ Trust, am Donnerstag in Frankfurt.
Die Wirtschaft in den USA dürfte, getrieben von den massiven Investitionen der Techbranchen in diesem Jahr um rund zwei Prozent wachsen. China steuere trotz des Niedergangs seiner Immobilienwirtschaft und damit auch des Konsums auf ein deutliches Wachstum von 4,3 Prozent hin und profitiere von seiner Export-Offensive. Für die Eurozone sieht er indes bestenfalls ein Wachstum von 0,8 Prozent. "In Deutschland ist die Situation noch schlechter, eine enttäuschende Entwicklung", konstatiert Heise.
Vor allem der Iran-Krieg habe mit dem starken Anstieg der Öl- und Gaspreise die begonnene Erholung in Europa ausgebremst. Der Energiepreisschock treibe die Inflation und schwäche das Wachstum, was wiederum den Handelsspielraum der Notenbanken beschränke. Produktivitätsfortschritte durch Künstliche Intelligenz könnten dies die Probleme zugleich nicht vollständig ausgleichen, auch wenn sie positiv wirkten.
Das Problem in Deutschland sei obendrein, dass die Wachstumsimpulse vor allem durch eine staatlich generierte Nachfrage gesetzt würden. Damit blieben angesichts schwacher Investitionen der Privatwirtschaft die grundsätzlichen Strukturprobleme bestehen. Hinzu kämen in dieser Kombination Zinsrisiken durch die steigende Staatsverschuldung. Eine Lösung sieht Heise hier im Wesentlichen in einer Verbesserung der Standortbedingungen./ck/jsl/jha/