29.04. 10:22

APA ots news: Nationalbank: Bargeld bleibt beliebt und für die Bevölkerung...


APA ots news: Nationalbank: Bargeld bleibt beliebt und für die Bevölkerung unverzichtbar

Digitales Bezahlen gewinnt an Bedeutung - Digitaler Euro als
öffentliche Alternative zu außereuropäischen Zahlungsanbietern

Wien (APA-ots) - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) führt
regelmäßige
Befragungen zum Zahlungsverhalten der Österreicher:innen durch. Die
aktuellen Ergebnisse der Zahlungsmittelstudie 2025 zeigen, dass 94 %
der Befragten nicht auf Bargeld verzichten wollen. Bei kleinen
Beträgen gewinnt das digitale Bezahlen aber weiter an Bedeutung.

Euro-Banknoten und -Münzen bleiben in Österreich trotz
fortschreitender Digitalisierung ein zentrales Zahlungsmittel. 91 %
der Zahlungen insgesamt werden im stationären Handel (Point-of-Sale,
POS) getätigt. Zwar geht die Bargeldnutzung im Geschäft vor Ort
langsam zurück, macht aber weiterhin 55 % aller Transaktionen (2022:
63 %) und 45 % des Umsatzes (2022: 48 %) aus. Besonders bemerkenswert
ist, dass Bargeld trotz wachsender digitaler Angebote und steigender
Kartennutzung weiterhin fast die Hälfte des gesamten POS-Umsatzes
trägt und so seine wirtschaftliche Relevanz und Akzeptanz im Alltag
der Bevölkerung zeigt.

Der Konsum findet längst auch digital statt: 67 % aller Befragten
kaufen im Internet ein, etwa 50 % mindestens einmal im Monat. Die
meistgenutzten Zahlungsmittel dafür sind Karten (35 %) und Wallets (
30 %). Obwohl es für 79 % der Befragten wichtig ist, immer und
überall mit einem öffentlichen Zahlungsmittel bezahlen zu können,
fehlt derzeit noch die öffentliche Alternative einer digitalen
Bezahlmöglichkeit. Zwei Drittel der elektronischen Zahlungen in
Europa laufen über US-Anbieter. 13 von 21 Euroraum-Ländern sind im
Handel vollständig abhängig von nicht-europäischen Zahlungssystemen -
auch Österreich. Der digitale Euro wird hier Abhilfe schaffen und die
derzeitige alternativlose Abhängigkeit von US-Anbieter beenden.

Zwtl.: Bargeld unverzichtbar und legt an Bedeutung zu

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Befragten, für die
Bargeld "seine derzeitige Bedeutung behalten" soll, sogar um fünf
Prozentpunkte auf 66 % gestiegen (2024: 61 %), während 28 % der
Befragten angeben, dass sie jedenfalls nicht "ganz ohne Bargeld"
leben möchten. Das unterstreicht die anhaltende Relevanz von Bargeld
- insbesondere in Zeiten globaler Unsicherheiten und als verlässliche
Konstante im Zahlungsverkehr.

"In einer Zeit, in der Flexibilität und Sicherheit gefragt sind,
ist Bargeld einfach eine kluge Wahl, weil es immer funktioniert",
betont OeNB-Direktor Thomas Steiner. Die hohe Praktikabilität
bestätigt sich auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung: 94 % stimmen
zu, dass Bargeld besonders praktisch ist. Nicht zuletzt deshalb, weil
es jederzeit und überall funktioniert. Besonders gut benotet wird
auch der Schutz von persönlichen Daten und die Wahrung der
Privatsphäre mit 85 % bzw. 83 % Zustimmung. Ein "sehr wichtiger" bzw.
"wichtiger" Grund für die Barzahlung liegt für 88 % der Befragten
darin, dass Bargeld eine gute Kontrolle über die eigenen Ausgaben
ermöglicht.

Kleine Beträge unter 10 EUR werden hingegen mittlerweile häufiger
mit Wallets (ApplePay, GooglePay etc.) bezahlt (von 4 % 2022 auf 8 %
2025). Insgesamt macht der Anteil von Zahlungen mit Wallets noch
weniger als 10 % am gesamten Zahlungsverkehr am POS (beides in
Transaktionen und Volumen) aus, allerdings hält mehr als die Hälfte
der Befragten das Bezahlen per Smartphone für praktisch, und 43 %
sehen es sogar als optimales Zahlungsmittel am POS.

"Wenn Sie heute beim Bäcker Ihre Semmeln mit der Karte zahlen
oder den Haarschnitt beim Friseur mit dem Handy, dann brauchen Sie
dafür einen US-Anbieter. Digitales Bezahlen gehört für die
Österreicherinnen und Österreicher ganz selbstverständlich zum
Alltag. Gleichzeitig sind wir bei der Abwicklung von
außereuropäischen Unternehmen abhängig. Diese Abhängigkeiten sind
nicht gesund. Darum werden wir mit dem digitalen Euro eine
europäische Alternative aufbauen, auf die sich alle jederzeit
verlassen können", erklärt OeNB-Direktor Josef Meichenitsch.

Umso jünger, desto digitaler: Personen unter 50 Jahren zahlen
lieber elektronisch (59 % aller Zahlungen). Alle Altersgruppen
schätzen Wahlfreiheit zwischen bar und digital (81 %). 16- bis 29-
Jährige bezahlen 38 % ihrer Zahlungen am POS bar und 62 % digital.
Für diese Altersgruppe zeigt die detailliertere Auswertung des
Zahlungstagebuchs (Aufzeichnung aller Zahlungen innerhalb einer Woche
) klar, dass Bargeld nach wie vor einen relevanten Stellenwert
einnimmt: Mehr als 76 % der jungen Menschen nutzen Bargeld zumindest
einmal während der aufgezeichneten sieben Tage.

"Bargeld ist zwar mehrere tausend Jahre alt, hat aber dennoch
nichts von seiner Aktualität eingebüßt und gilt mehr denn je für alle
Bevölkerungsgruppen als zeitloses und überaus beliebtes
Zahlungsmittel", unterstreicht Matthias Schroth, Direktor der OeNB-
Hauptabteilung Recht, Bargeld und Beteiligungen. "Bargeld ist modern
in seiner Einfachheit und Unabhängigkeit. Bargeld ist sicher in
seiner Struktur. Und Bargeld ist menschlich in seiner Wirkung", hält
Schroth fest. Die menschliche Bargeld-Komponente zeigt sich besonders
durch seine Inklusivität: Bargeld schließt niemanden aus. Es schafft
persönliche Begegnungen und verbindet Menschen in ihrem Alltag.

Bargeld gilt weiterhin als das sicherste Zahlungsmittel: Die
Europäische Zentralbank bereitet derzeit die dritte Euro-
Banknotenserie vor, damit auch in Zukunft höchstmögliche
Sicherheitsstandards eine leichte Überprüfbarkeit auf Echtheit
ermöglichen.

Zwtl.: Wahlfreiheit entscheidend

"Wir wollen, dass öffentliches Geld allen Menschen auch im
digitalen Raum zugänglich ist. Jede:r soll jederzeit, sicher und
überall ohne Einschränkungen am digitalen Wirtschaftsleben teilhaben
können", so Petia Niederländer, Leiterin der Hauptabteilung
Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbildung. "Der digitale
Euro wäre als digitales Zentralbankgeld eine gebührenfreie und
sichere Möglichkeit für digitales Bezahlen", so Niederländer weiter.

Für die OeNB ist letztlich entscheidend, die Wahlfreiheit bei
Zahlungsmitteln sicherzustellen: Um den Konsument:innen diese
Freiheit zu ermöglichen setzt sich die OeNB zum einen mit eigenen
Bankomaten für eine flächendeckende Versorgung mit Bargeld ein, zum
anderen engagiert sie sich auf EU-Ebene im Rahmen des ordentlichen
Gesetzgebungsverfahrens für eine strenge und grundsätzlich umfassende
Annahmepflicht von Bargeld mit nur wenigen, sachlich gerechtfertigten
Ausnahmen. Die Bargeld-Annahmepflicht soll auch für Automaten gelten
und für jede einzelne Person konkret durchsetzbar sein. Ein
Ausschluss der Annahme von Bargeld mittels "no cash"-Schildern oder
in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen soll -wie auch beim digitalen
Euro - nicht zulässig sein. Ziel ist die zukünftige Gleichstellung
von Bargeld mit dem digitalen Euro als gesetzliches Zahlungsmittel.

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Pressesprecherin
Mag.a Marlies Schroeder, MiM
Telefon: (+43-1) 404 20-6900
E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at
Website: https://www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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