ROUNDUP/Verdi-Warnstreiks: viele Brücken und Tunnel im Norden gesperrt
HANNOVER/LEER (dpa-AFX) - Auf Autobahnen, Landstraßen sowie an Brücken und Tunneln müssen Autofahrer heute mit möglichen Verkehrsbehinderungen rechnen, der Grund sind Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Verdi hat zeitgleich zu gemeinsamen Arbeitsniederlegungen in zwei großen Tarifrunden aufgerufen - bei den bundesweit rund 14.000 Beschäftigten der Autobahn GmbH sowie bei den mehreren Tausend Beschäftigten der Landesstraßenbauverwaltungen, also zum Beispiel Straßenmeistereien.
Anlass der Warnstreiks sei der "jeweils zähe bis inakzeptable Verlauf" der Tarifrunden zur Autobahn GmbH und zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder, teilte die Gewerkschaft mit. Verdi fordert in beiden Tarifrunden sieben Prozent mehr Gehalt pro Monat, mindestens aber 300 Euro, um die unteren Lohngruppen zu stützen. Auch die Nachwuchskräfte sollten deutlich besser entlohnt werden.
Elbtunnel, Wesertunnel und Jann-Berghaus-Brücke betroffen
Für Autofahrer könnte es wegen der Warnstreiks mitunter ein harter Tag werden: Der Hamburger Elbtunnel soll wegen des Warnstreiks nur eingeschränkt befahrbar sein. Je Richtung wird einer von drei Fahrstreifen des Autobahntunnels geschlossen, wie die Autobahn GmbH mitteilte. Die Teilsperrung, die die A7 betrifft, sollte bis Dienstagabend dauern.
In Ostfriesland wird infolge des Warnstreiks die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems in Leer für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Die Sperrung betreffe den Zeitraum zwischen 6.00 und 23.00 Uhr, kündigte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an. Autos und Lastwagen können eine Umleitung über den Emstunnel der Autobahn 31 nehmen.
Auch in der Wesermarsch müssen sich Pendler und andere Reisende auf Probleme einstellen. Dort werde der Wesertunnel für den Verkehr infolge des Warnstreiks gesperrt, sagte ein Verdi-Sprecher. Anders ist es dagegen bei der Hunteklappbrücke bei Berne. Die wichtige Brücke an der Bundesstraße 212 soll anders als beim Warnstreik im Dezember dieses Mal geöffnet bleiben.
Die Weserfähre Bremerhaven-Nordenham kündigte an, wegen der Sperrung des Wesertunnels häufiger zu fahren. In der Zeit von 5.00 Uhr bis 23.00 Uhr seien zwei Fähren im Pendelbetrieb unterwegs, teilte der Betreiber mit. "Trotzdem ist mit Wartezeiten an den Anlegern und Fahrplanabweichungen zu rechnen", hieß es.
IHK kritisiert ganztägige Tunnelsperrung
Dass der Wesertunnel streikbedingt den ganzen Tag geschlossen bleibt, kritisiert die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK). "Gerade in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit sendet eine ganztägige Sperrung einer Schlüsselinfrastruktur das falsche Signal an Unternehmen", sagte der Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses, Fokke Fels. Die Sperrung zwinge den Berufs- und Lieferverkehr zu weiträumigen Umleitungen über andere Weserquerungen und verlängere Fahrzeiten erheblich, hieß es.
Weitere Vollsperrungen infolge der Warnstreiks gibt es nach Angaben der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zudem hier:
* B3, Tunnel Bovenden (Landkreis Göttingen)
* B241, Butterbergtunnel (Landkreis Göttingen)
* L111, Schwingeklappbrücke bei Stade.
Trotz des Warnstreiks soll der Winterdienst in Niedersachsen erfolgen. Es könne aber zu Verzögerungen kommen, teilte die Landesbehörde weiter mit. Verkehrsteilnehmer sollten entsprechend vorsichtig und rücksichtsvoll fahren.
Bei der Autobahn GmbH plant Verdi Aktionen und Arbeitsniederlegungen an bundesweit 18 Standorten - in Norddeutschland sind Hannover, Kiel und Hamburg betroffen.
Kundgebung in Hannover
Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite in dem Tarifkonflikt erhören. "Straßen sind der Verkehrsträger Nummer 1 in Deutschland - jeden Tag kümmern sich Abertausende Beschäftigte um einen möglichst reibungslosen Verkehr auf Autobahnen, auf Bundes- und Landesstraßen, auf Brücken und in Tunneln", sagte Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende in einer Mitteilung. "Und sie wollen mit diesem gemeinsamen Streiktag zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört."
In Hannover soll es am Mittag nach einem Sternmarsch von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Warnstreiks durch die Landeshauptstadt eine Kundgebung vor dem Wirtschaftsministerium geben.
Wie der Stand bei den Verhandlungen ist
Nachdem ein Durchbruch in den Tarifverhandlungen nach der zweiten Runde am vergangenen Freitag ausgeblieben war, hatten die Gewerkschaften angekündigt, ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst deutlich auszuweiten.
Der Verhandlungsführer der Länder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte die Gewerkschaftsforderungen wegen knapper Länderhaushalte zuletzt wiederholt als überzogen zurückgewiesen. Er zeigte sich am Freitag aber zuversichtlich, dass ein Abschluss der Tarifverhandlungen im Februar zustande kommt. Man spüre die "gemeinsame staatspolitische Verantwortung" und sei an mehreren Punkten "trotz großer Differenzen" vorangekommen.
Verdi kritisiert die Position der Tarifgemeinschaft deutscher Länder danach dagegen als ungenügend und unkonkret. "Da muss definitiv mehr kommen", sagte Verdi-Vize Behle. "Und das wissen die Arbeitgeber auch: Wir brauchen attraktive Arbeitsbedingungen, um Menschen für diese extrem wichtigen Aufgaben zu halten und zu gewinnen."/len/DP/zb